Bach zur Passion, Kantate zu Palmsonntag
Impuls von der Quelle am 28. März
19.03.2026 |
Zwei Monate vor der Uraufführung der Matthäuspassion, am 2. Februar 1727, brachte Bach im Frühgottesdienst der lutherischen Leipziger Nikolaikirche seine Solokantate "Ich habe genug" zur Uraufführung. Beim Fest "Mariae Reinigung", volkstümlich „Mariae Lichtmess“, geht es um mehrere Gestalten, zunächst das vor 40 Tagen neugeborene Jesus-Baby, das zum ersten Mal den Schutz des Privathauses verlässt und im Tempel der Öffentlichkeit gezeigt wird, wie heute noch im orientalischen Raum übliche Praxis. Noch zentraler ist jedoch die prophetische Aussage des greisen Simeon, der das Kind - bei Bach heisst es „den Heiland, das Hoffen der Frommen“ - in seine Arme nimmt, das fleischgewordene "Licht der Welt" in Jesus erkennt und weiß, dass er die Welt nun beruhigt verlassen kann.
Der barocke Mensch wird im Alltag, in der Literatur, Kunst und in der Theologie ständig erinnert an seine Endlichkeit, und dass das wahre Leben sich erst nach dem Tod entfaltet. Für unsere heutigen diesseitsorientierten Ohren mag es merkwürdig klingen, wenn im Text der Kantate der Tod als frohes Ereignis freudig erwartet, sogar herbeigesehnt wird. Für Bach liegt es auf der Hand, im letzten Satz „Ich freue mich auf meine Tod“ eine fröhliche, fast wild-ausgelassene Tanzform, die Passepied, zu wählen, die allein dadurch, dass sie virtuose, sakrisch schwer zu singende Koloraturen enthält, im Ausführungstempo an ihre natürlichen Geschwindigkeitsgrenzen stösst.
Die Solokantaten von Bach, geschrieben wie als "moderne Kirchenkantaten, wie eine Opera aus Rezitativen und Arien zusammengesetzt", und zur Verkündigung "von der poetischen Kanzel herab“ gemacht sind, wie es Pastor Neumeister schon 1710 schrieb, galten bereits zu Bachs Lebzeiten als begehrte Paradestücke für Bassisten, und sind es noch heute.
Der Bassist Wojciech Latocha studierte am Vorarlberger Landeskonservatorium und im Mozarteum Salzburg. Er war Mitglied des Bregenzer Festspielchors. In Österreich, Deutschland und Italien gastierte Latocha in solistischen Rollen an verschiedenen Theatern, und singt bei Konzerten, Messen und Oratorien.
Die Solo-Oboe im Duett mit dem Bass spielt Karl-Friedrich Wentzel, begleitet von der Camerata La fonte. Gedanken zur Passionszeit trägt die „Donaueschinger Stimme“ Angelika Köhler vom DRK Roten Kreuz bei.
Die Solo-Oboe im Duett mit dem Bass spielt Karl-Friedrich Wentzel, begleitet von der Camerata La fonte. Gedanken zur Passionszeit trägt die „Donaueschinger Stimme“ Angelika Köhler vom DRK Roten Kreuz bei.
Impuls von der Quelle „Bach zur Passion“
Samstag 28. März 2026, 11.30 Uhr
Stadtkirche St. Johann
Fuge BWV 947 und Kantate „Ich habe genug“ BWV 82 von J.S. Bach
Wojciech Latocha, Bass
Camerata La fonte
Angelika Köhler, Textgestaltung
Eintritt frei, Spenden zur Mitfinanzierung willkommen
